Skizzen der Kultur des Alltags

Der Geruch von Kaffee

Draußen ist es kalt. Immer wenn jemand die Tür öffnet, um den Raum zu betreten oder zu verlassen, streift die Kälte meine Beine, meinen Rücken, meinen Nacken - und alle kleinen Haare meines Körpers stellen sich auf, recken und strecken sich. Ich greife nach der großen, runden Tasse mit warmem, ungesüßtem Pfefferminztee vor mir. Ich nehme einen Schluck, und für einen kurzen Moment bäumen sich die Härchen noch einmal auf, bevor sich die wärme von meinem Mund aus ind alle Richtungen meines Körpers verteilt.

Die Stimmen um mich herum nehme ich kaum wahr; ein ferner Geräuschpegel, der mir ab und an in Gedächtnis ruft, wo ich gerade bin. Die Zeitung in meiner Hand knistert beim umblättern.

Als ich aufblicke, sehe ich ein junges Mädchen von der anderen Seite über die Kante meines Tisches blinzeln. Sie lächelt. Ich lächle zurück, den Geruch von Kaffee einatmend.

Ich fühle wie mein rechtes Bein, das ich über das linke geschlagen habe, langsam einschläft.


© 2009 – Christoph M. Schröder