Skizzen der Kultur des Alltags

Vinyl an der Espressobar

Nach der Schließung des Labels Hausmusik hat Wolfgang Petters nun ein neues Projekt – gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Heinrich Lauf

„Ich nehm’ die Platte.“ Vor fünf Minuten war der junge dunkelhaarige Mann in den Laden im Münchner Stadtteil Haidhausen gekommen. Er hatte zielstrebig eine CD herausgesucht und hält sie nun Heinrich „Laufi“ Lauf, einem der beiden Besitzer, hin. „Und einen Espresso, bitte“, sagt er, bezahlt und setzt sich, um ihn in aller Ruhe zu trinken. Ihm war das Schild mit der Aufschrift „Hausmunik“ im Schaufenster aufgefallen. „Ich kannte das Label Hausmusik, und da dachte ich mir, ich schau’ mal rein.“ Hausmusik – Label, Vertrieb und Laden – musste Ende 2007 nach 16 Jahren schließen. Für Wolfgang Petters, den Betreiber des Labels, war eine Rückkehr in seinen ursprünglichen Beruf als Elektriker nicht möglich: „Die Pause war zu lang“, sagt er. Zusammen mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Lauf entwickelte er schließlich die neue Idee: eine Espresso Bar mit integriertem Laden. „Bei Hausmusik war ich Chef und Laufi Mitarbeiter, Hausmunik machen wir gemeinsam.“ Das ist Petters wichtig.

Wolfgang Petter und Heinrich Lauf in hinter der Theke

Von außen sieht die Espresso Bar in dem frisch renovierten Altbau sehr modern aus; innen ist es aber vor allem gemütlich. Auf der selbst aus zwei alten Schränken gebauten Theke stehen Croissants, Kuchen und Sandwiches bereit, vier Stufen höher nebenan Schallplatten, CDs, T-Shirts, Comics und Bücher. Dabei wollen sich die beiden Inhaber auf Münchner Künstler, Labels und Verlage spezialisieren. „Wir sehen das aber nicht so eng“, stellt Petters klar. Und so findet man beim durchwühlen der Regale auch Johnny Cash und Thelonious Monk.

An der Wand hängen in einem Bilderrahmen arrangierte Musikkassetten. Sie gehören Lauf. Er ist einer von wenigen Cassette Jockeys, die ausschließlich mit MCs auflegen. „Viele denken, ich mache das um hip zu sein, aber für mich ist das die normalste Sache der Welt“, sagt er. Deshalb liegt es ihm auch am Herzen, Künstlern, die noch auf Kassette veröffentlichen, bei Hausmunik eine Plattform zu geben. „Leider war die Resonanz bisher nicht besonders groß“, bedauert er, „aber alle Künstler sind herzlich eingeladen“.

Aber auch so lädt der gemütliche Laden in der Pariser Straße zum verweilen ein. Mit dem Geruch von gerösteten Kaffee in der Nase, guter Musik im Ohr und der Sonne, die einen durch die große Glasfront anscheint, lässt es sich hervorragend stöbern: Plattenregale durchsuchen, in Büchern und Comics blättern, T-Shirts anprobieren; oder einfach einen guten Cappuccino trinken.

Hausmunik, Pariser Straße 22, München
Montag bis Freitag 10-19 Uhr
Samstags 10-16 Uhr

© 2008 – Christoph M. Schröder